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Diverse Interpreten [Crossing All Over Vol. 18]

Kreuzüber.
Seit 1993 etabliert sich der "Rock-Fans aller Coleur vereinende" Crossing All Over Sampler zu einer umsatzstarken Instanz und feiert dieses Jahr bereits seine achtzehnte Ausgabe.



"musikalische impulse schießen direkt von den tonspuren in die venen des zeitgeistes
und bringen euer blut zum kochen!
"
(pr text)


"Der Essayist Geoffrey O'Brien", so die allwissende Wikipedia, "bezeichnete das persönliche Mixtape als die am häufigsten ausgeübte amerikanische Kunstform". Glücklicherweise hat sich in den achtziger Jahren dieses popkulturelle Phänomen auch den Weg über den Atlantik zu uns gebahnt und ist, auch in Tagen des CD und Mp3 Konsums, kaum wegzudenken. "Durch die sorgfältige Auswahl und Festlegung der Reihenfolge der Stücke innerhalb einer Zusammenstellung, kann eine künstlerische Aussage geschaffen werden, welche durchaus aussagekräftiger ist als die bloße Summe der einzelnen Lieder." Ein Sampler hingegen sei, befragt man das umtriebige Orakel erneut, ebenfalls eine Zusammenstellung von Musiktiteln zu einem bestimmten Thema, jedoch von der Musikindustrie veranlasst. Blickt man auf diese beiden Definitionsversuche scheint der kommerzielle Aspekt der wesentliche Unterschied zu sein. Der Weg vom ehemals auf die namensgebende Audiokassette beschränkten Mixtape zu einem Sampler, bzw. einer Kompilation ist intentional jedoch ein äußerst weiter. Leidenschaft, Individualität und Hingabe seien nur drei von unzähligen Stichworten. (Den Spagat zwischen beidem wagten wir selbst mit Sketchbooks, aber das bedarf keiner weiteren Ausführung an dieser Stelle).

In der, seit den späten Sechzigern durch die Industrie erschlossenen Nische der Popkultur, wurden bislang gefühlte zehn hoch einundzwanzig verschiedene Sampler zu den unsäglichsten Themen zusammengestellt und über die Ladentheke des Woolworth an der Ecke gereicht. Vom Feuerwerk der Stars aus den Siebzigern über TopFetenKultKuschelSmashHits bis zur generationsübergreifenden Bravo Hits Kompilation bekannt durch Rundfunk und Fernsehen, bietet die Zusammenstellung von Hits in der post-Beatles-Ära ein veritables Geschäft, denn die Zielgruppe ist Dank Dauerberieselung der freien (und leider auch öffentlich rechtlichen) Radiostationen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner konditioniert; ein "Mai A Hee" Schriftzug zur Richtigen Zeit kann so auch den schlechtesten Sampler an den desorientierten Hörer bringen. Zuviel Polemik? Na gut. Widmen wir uns dem vorliegenden Produkt.

Auch die "Crossing All Over" Reihe, ihres Zeichens als "ultimativer Rocksampler" betitelt, bringt es immerhin auf achtzehn zusammengestellte Ausgaben. Der aktuelle ist selbstverständlich stets der beste, was den Kauf der vorherigen auf gewisse Weise diskreditiert, aber das konnte man ja beim Kauf des jeweils Vorhergehenden nicht wissen. Das bewerte Konzept, größtenteils dauerrotierende Hits aus dem gitarrendominierten Musikbereich auf einer Doppel CD für die Nachwelt festzuhalten, bietet auch dieses Mal allen Grund zuzuschlagen, wenn man anfällig dafür ist, "diesen genialen Mix einfach nur abfeiern" zu wollen. Man geizt jedoch auch nicht mit Kontroversen und packt in diesem Zug Stücke wie das gleichwohl von der katholischen Kirche, der Bildzeitung (obwohl die wendehalsesque ihr Fähnchen gern mal nach dem Wind drehten), der Freizeit Revue und dem gelangweilten Feuilletonisten beachtete Hard Rock Hallelujah der finnischen GrandPrix Darlings (ich weiß, das heißt jetzt anders, Anm. d. Verf.) Lordi, oder auch das gleichwohl von der katholischen Kirche, der Bildzeitung (obwohl die wendehalsesque ihr Fähnchen gern mal nach dem Wind drehten), der Freizeit Revue und dem gelangweilten Feuilletonisten beachtete Gott Ist Ein Popstar der vom Echo ausgeschlossenen Wolfsburger Oomph! auf die Tracklist. Neben in solchen Kreisen üblichen Verdächtigen wie Rammstein (Mann Gegen Mann), My Chemical Romance (You Know What They Do To Guys Like Us In Prison) oder Nickelback (Far Away) finden sich bei Crossing All Over Vol. 18 auch Beiträge, die im Kontext schon fast deplaziert erscheinen: die poppigen Wir Sind Helden (Von Hier An Blind) wirken zwischen Die Happy (Blood Cell Traffic Jam) und Hard-Fi (Cash Machine) fast störend ruhig im Abfeiervollzug. Kontextuell waghalsig fallen auch Depeche Mode (Precious) zwischen In Extremo (Liam) und Apoptygma Berzerk (Shine On) auf. Die zweite CD erscheint in kompilierender Hinsicht zwar schlüssiger – Tomte (Ich Sang Die Ganze Zeit Von Dir), Kettcar (Deiche), Oasis (Lyla) und Maximo Park (The Coast is Always Changing) in einer Reihe – endet jedoch mit einem lebensfremden Totalausfall in Form der Toten Hosen und einer unplugged Version ihres an Clockwork Orange orientierten Welthits Hier Kommt Alex.

Der Name der totenkopfgespickten Reihe ist eben Konzept und der Erfolg gibt ihr ohnehin Recht. Zur siebzehnten Ausgabe wusste man schließlich schon frappant zu bemerken: "Während andere Compilations sich an die strikte Trennung von Metal, Rock, Electro, Gothic und Alternative halten, schlägt Crossing All Over seinem Titel gemäß massiv Brücken zwischen den Genres - und scheint damit voll den Zeitgeist zu treffen." Aufstand im Gemischtwarenladen.

Die Zusammenstellung von bereits etablierten Bands und Newcomern ist selbstredend eine gute – wenn auch nicht neue – Idee, die es erlaubt letzteren ein breiteres Publikum zu eröffnen. Schließlich ist die Platte "Radio & TV advertised". (Der gute alte Rundfunk und Fernsehen Scherz greift also immer noch!) Letztlich ist es mit diesem Alternative Rock Reißbrett exemplarisch wie mit jedem anderen Hit-Sampler im Allgemeinen: der klassische Musiknerd greift nicht auf solch belanglose und wenig aktuelle Veröffentlichungen zurück, die wirklich Interessierten begnügen sich nicht mit einzelnen Stücken und bemängeln zurecht den Wühltisch-Flair und die große Masse all jener, die nie wirklich einer szenecodierten Welt angehört haben, freuen sich bei der nächsten Hausparty Zeige- und Kleinenfinger gespreizt ein Loch in den Bauch, ob der gut gewählten Zusammenstellung. Sprich, auch diese Ausgabe wird sich verkaufen wie offenfrische Brötchen.

Als besonderes Schmankerl für all die Unentschlossenen wurde im übrigen kurzzeitig ein Medley zum Download angeboten, welches den "einzig wahren Rocksampler" bis ins Mark durchdrang und erklärt damit "den Rocksommer für eröffnet". Dem ist nichts hinzuzufügen.
foto: koks music


diverse interpreten
[crossing all over vol. 18]
gun records 2006 2cd
crossing all over

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*lichter präsentiert: Sketchbooks

Der höchst subjektive und ebenso ambitionierte Versuch vor dem Hintergrund des Allerweltsbegriffes Indie noch etwas wertvolles auf die Beine zu stellen. Eine Lobhudelei auf uns selbst.



"eine rundum gelungene sammlung des wesentlichen – mehr indie geht gar nicht."
(intro magazin über sketchbooks)


"Putting the DIY back in Indie!"

Der mittlerweile ausgezehrte und aufgrund seiner Bedeutungslosigkeit fast zum Unwort verkommene Begriff Indie steht heute an jeder zweiten Hauswand und wird bei H&M in jeder Konfektionsgröße von der Stange verkauft. Die großen Konzerne bedienen die Subkulturen heute genauso wie den Mainstream und aktuelle Ausgaben der abendfüllenden Diskussion über Sein und Nicht-Sein von Indie lassen sich überall nachlesen.

Das *lichter Magazin möchte einen Kontrapunkt setzen und dem Wort seine ursprüngliche Form wiedergeben. Wir möchte uns jedoch nicht anmaßen normativ in die Debatte einzugreifen oder uns gar als Indie-Grals-Hüter aufspielen. "Sketchbooks" ist der Titel einer von uns kompilierten Platte mit welcher wir zumindest den Do-It-Yourself Aspekt in der ursprünglichen Bedeutung des polarisierenden Begriffes großschreiben möchten.
Independent. Unabhängig.

Record Release Party (Marburg, 25.02.2006)

Die Veröffentlichung unserer Kompilation haben wir am 25. Februar im Marburger G-Werk mit Konzerten und Party standesgemäß gefeiert und es war ein großer Abend! Die Dankesreden unsererseits hallen noch immer nach und an dieser Stelle möchten wir mit einer kleinen Fotogalerie und vier Videos an den Abend erinnern.

Zunächst waren in der gemütlichen und sehr atmosphärischen Baari Bar Akustik-Auftritte von dem charismatischen Julius und nachfolgend von den beiden kommunikativen Stuttgartern Alcoholic Sunrise zu bewundern. Das Publikum goutierte die mit untermalenden Anekdoten angereicherten Auftritte mit aufmerksamer Ruhe und jubelndem Beifall. Direkt im Anschluss begab man sich in das angrenzende Trauma, wo zum einen das (aller letzte!) Live-Konzert der begnadeten Marburger Postrocker Item stattfand und darauf folgend die Nürnberger Disco Punk New Wave Helden The Plane Is On Fire das Publikum in Bewegung versetzten. Glückliche Gesichter und tanzende Körper überall. Der Morgen graute bereits als die letzten Gäste nach der Indie-Rock 'n' Roll Disko mit Ronim & Jimmy Jealousy das Haus verließen. You're welcome.
illustration: heiko windisch
foto: manue





diverse interpreten
"*lichter präsentiert: sketchbooks"
urbanprovince records 2006 cd
sketchbooks

julius
alcoholic sunrise
item
the plane is on fire

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Diverse Interpreten [Schubfladen #1]

The SidSyn is a MIDI monophon synthesizer, based on the good old SID, like MOS 6581.
Was zunächst sehr nach Computer Nerdism klingt, ist es tatsächlich auch. Dennoch macht die 8-bit Musik, wie sie unter anderem gerade auf dem vorliegenden Sampler veröffentlicht wurde, eine sehr gute Figur.



"we built this gameboy on rock 'n' roll!."
(schubfladen pressetext)


Zwischen Super Mario Bros. und den Space Invaders bewegen sich nicht ausschließlich sentimentale Kindheitserinnerungen an das eigene Jugendzimmer mit grauen Brotkisten und überdimensionierten, flexiblen Disketten im 5 ¼" Format. Vielleicht hat es tatsächlich auch zu einem Teil mit dem Revival und Nostalgie Rausch zu tun der allgegenwärtig ist, dass sich ein gewisses Interesse an den alten Personal Computern regt. Was sich zunächst in den Großen Elektro Märkten des Landes als Spiele Sammlung im Low Budget Bereich für den Mainstream durchsetzen konnte, hat sich bereits in einer kleinen Musikerszene manifestiert; die Rückkehr einer längst vergessenen Ästhetik. Jeder der jemals mit angesprochenem C64, dessen Nachfolger, dem C128 oder selbst einem Gameboy konfrontiert wurde, kennt die Soundeffekte, die den kleingewachsenen italienischen Klempner Mario beim Springen und Schleudern seiner Feuerbälle begleiten. Die Leistungsfähigkeit des dazu involvierten Chips SID (Sound Interface Device) – dem legendären und erfolgreichsten Soundchip der 8-bit Ära – zu eigen gemacht, kann dieser jedoch auch dem kreativen Output einer, wenn auch noch überschaubaren Musikszene dienlich sein.

Auf dem Cover der stilvoll als 7" erschienenen ersten Veröffentlichung des jungen Musikfladen Labels rast die kleine, pixelige Koopa Troopa Schildkröte aus dem Konsole Spiel Super Mario Kart den gepflasterten Platz am Lüneburger Sande hinab. Ein wenig Lokalpatriotismus darf man sich durchaus zugestehen, ist die alte Handwerksstadt doch eine kleine Hochburg was den liebevollen und enthusiastischen Umgang mit den 8-bit Chips anbelangt. Die vier darauf befindlichen Titel stammen dann jedoch aus ganz Deutschland und sind überraschend ambitionierte Elektropop Stücke die, Mal mehr Mal weniger, zum Tanzen auffordern. Gerade das erste Stück des Samplers Ninja Kornjace begeistert mit seiner Melange aus elektronischen Melodien, den überraschend groovenden C64 Beats und der wunderbaren Stimme von Natalie Kerkez, die auf Kroatisch die Geschichte einer Ninja Schildkröte erzählt. Julian Schmidt, der Kopf hinter der One-Man-Army A Boy And His SID, verwendet maßgeblich den alten Commodore 64 und "führt vor, dass der Sidchip auch heute kräftig nach vorne gehen kann", wie nicht nur der Pressetext zu berichten weiß. Aber es ist noch mehr als das liebevolle Zugeständnis an einen Computerfrickler; der Song ist ein wunderbares, leicht ins Ohr gehendes und dennoch keinesfalls plattes Stück Elektropop.

Das Musikfladen Label – der Name ergab sich aus einer Assoziation aus der von 1972 an über zwölf Jahre ausgestrahlten Fernsehsendung Musikladen, und der Formschönheit von Vinylplatten – entstand wie so oft aus der Not heraus, um sich in einer Tugend zu äußern. Nach zahlreichen Live Darbietungen zwischen Lüneburg und Brüssel konnte sich die 8-bit Musik für eine kleine Szene etablieren, und die Nachfrage nach Veröffentlichungen wurde größer. "Dass ein Release gemeinsam mit anderen Bands, die man im Laufe der letzten eineinhalb Jahre kennen lernte noch viel sympathischer und spannender sein würde, stand außer Diskussion. Mein Wunsch war es schon seit Jahren, irgendwann ein kleines, feines Plattenlabel zu gründen. Nicht aus kommerziellen Gründen, sondern weil es irgendwann für mich einfach die logischste Konsequenz aus 15 Jahren Musiker Dasein ist; entweder aufhören und Erwachsen werden oder einen Schritt weitergehen und einfach mal schauen, was so passiert", erklärt Labelgründer Mike Witschi, auch Teil der auf dem Sampler vertretenen Naomi Sample & the Go Go Ghosts. Mit firestARTer aus Wuppertal ist auf "Schubfladen #1" eine Größe der Micromusik Szene vertreten, der sich besonders durch Hardware Erfindungen, wie dem SidSyn – einer Midisteuerung für C64 und Gamboy – einen Namen gemacht hat.

Das Label selbst zeichnet sich durch seine Non-Profit Attitüde aus, denn das eingenommene Geld des ersten Release wird direkt in die Folgeprojekte investiert. Man erhofft sich auf diese Weise innovativen Künstlern eine Plattform zu bieten, welche "Lüneburg und dem Rest der Welt eine Prise mehr aus einer kleinen kulturellen Nische beschert, dem 8-bit Rock 'n' Roll".

Bei den zukünftigen Veröffentlichungen, so erklärt uns Witschi, wird sich Musikfladen nicht ausschließlich auf die 8-bit Szene beschränken, diese aber dennoch weiter im großen Stil bedienen. "Der zweite Schubfladen wird beim 8-bit-Sound bleiben, sich jedoch etwas deftiger präsentieren; Naomi Sample wird ohne seine Go Go Ghosts einen Song releasen, den er einst für seinen Großvater schrieb. Dieser Lo-Fi Punk Song und drei weitere rockigere 8-bit Stücke werden den zweiten Fladen schmücken."
foto: musikfladen/martin boehnert



diverse interpreten
"schubfladen #1"
musikfladen 2005 7"

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